Nassfutter kaufen – worauf sollte man achten?
Vor dem Regal mit Dutzenden Dosen und Schalen stellt sich schnell dieselbe Frage: Welches Nassfutter ist wirklich gut? Acht Punkte helfen bei einer fundierten Entscheidung.
1. Zuerst die Futtermittelart prüfen
Für die dauerhafte Hauptfütterung sollte klar sein, ob das Produkt als Alleinfuttermittel vorgesehen ist. Ein Ergänzungsfuttermittel kann sinnvoll sein, deckt die tägliche Versorgung allein aber nicht zwingend ab.
Diese Information ist wichtiger als viele Begriffe auf der Vorderseite. Den Unterschied im Detail erklärt der Ratgeber Alleinfuttermittel oder Ergänzungsfuttermittel?
2. Passt das Futter zur Lebensphase?
Kitten, erwachsene Katzen und Tiere mit besonderen medizinischen Anforderungen benötigen nicht automatisch dieselbe Rezeptur.
Ein Produkt sollte deshalb für die Lebensphase und den vorgesehenen Ernährungszweck geeignet sein.
3. Zusammensetzung lesen – aber nicht überinterpretieren
Eine transparente Zutatenliste ist hilfreich. Trotzdem lässt sich die Qualität des fertigen Futters nicht allein daraus ableiten.
WSAVA empfiehlt zusätzlich zu prüfen, wer die Rezeptur entwickelt, welche ernährungswissenschaftliche Kompetenz vorhanden ist und wie der Hersteller Qualität und Nährstoffgehalte kontrolliert.
4. Analytische Bestandteile richtig einordnen
Rohprotein, Rohfett, Rohfaser und Rohasche gehören zu den üblichen Angaben. Bei Nassfutter ist der hohe Wassergehalt besonders wichtig.
Prozentwerte lassen sich deshalb nicht blind mit Trockenfutter vergleichen. Für fachliche Vergleiche kann eine Umrechnung auf Trockensubstanz oder Energiebezug sinnvoll sein.
5. Energiegehalt berücksichtigen
Zwei Nassfutter können bei gleicher Grammzahl unterschiedlich viele Kalorien liefern. Das beeinflusst Fütterungsmenge und Tageskosten.
Wenn der Energiegehalt nicht angegeben ist, sollte ein transparenter Hersteller diese Information auf Nachfrage liefern können. Wie sich die passende Menge darüber berechnen lässt, zeigt der Ratgeber Wie viel Nassfutter braucht eine Katze?
6. Marketingbegriffe nicht überbewerten
Begriffe wie „Premium”, „natürlich” oder ähnliche Aussagen sind kein Ersatz für eine ernährungsphysiologische Bewertung.
Auch „ohne Zucker”, „getreidefrei” oder ein hoher Fleischanteil können interessante Eigenschaften sein – sie entscheiden aber nicht allein über die Qualität.
7. Akzeptanz und Verträglichkeit
Die Katze muss das Futter zuverlässig essen und vertragen. Eine langsame Umstellung kann helfen, wenn ein neues Produkt eingeführt wird.
Bei anhaltendem Erbrechen, Durchfall, deutlichem Appetitverlust oder Gewichtsveränderungen sollte nicht endlos zwischen Sorten gewechselt, sondern die Ursache abgeklärt werden.
8. Preis sinnvoll vergleichen
Der Dosenpreis allein ist wenig aussagekräftig. Hilfreicher sind Preis pro Kilogramm und – wenn Energiegehalt und passende Tagesration bekannt sind – die ungefähren Tageskosten.
Ein vermeintlich teureres Futter kann wegen höherer Energiedichte eine kleinere Tagesmenge benötigen; umgekehrt sagt ein hoher Preis nichts über Eignung aus. Wie ein fairer Produktvergleich methodisch aufgebaut wird, zeigt der Ratgeber Nassfutter im Vergleich – so vergleichen wir fair
Fazit
Gutes Nassfutter erkennt man nicht an einem einzelnen Schlagwort. Futtermittelart, Lebensphase, Nährstoffprofil, Energie, Herstellertransparenz, Akzeptanz und die Bedürfnisse der Katze ergeben gemeinsam das Bild.
Quellen & fachliche Grundlage
Die Aussagen stützen sich auf Leitlinien und Empfehlungen der Fachorganisation WSAVA, Fachinformationen des Cornell Feline Health Center, Richtlinien und Faktenblätter des Heimtiernahrungsverbands FEDIAF sowie Rechtstexte.
EUR-Lex – Verordnung (EG) Nr. 767/2009 über Futtermittel
EU-Verordnung über das Inverkehrbringen und die Verwendung von Futtermitteln; regelt unter anderem die Kennzeichnung von Heimtierfutter.
FEDIAF – Code of Good Labelling Practice / Labelling
Leitfaden der europäischen Heimtierfutterbranche zur Kennzeichnung von Tierfutter, abgestimmt mit EU-Behörden; erklärt z. B. Angaben zu Vitaminen, Zutatenbezeichnungen und gesundheitsbezogenen Aussagen.
WSAVA – Guidelines on Selecting Pet Foods
Zweiseitige Checkliste (2021): Woran man eine seriöse Futtermarke erkennt (Ernährungsfachleute, Qualitätskontrolle, Forschung) und welche Etikettangaben wirklich zählen, etwa Alleinfutter-Erklärung und Kaloriengehalt.
FEDIAF – Nutritional Guidelines for Complete and Complementary Pet Food for Cats and Dogs (Version 2025)
Europäische Nährstoffempfehlungen für Allein- und Ergänzungsfutter für Hunde und Katzen; Version 2025 als PDF, von unabhängigen Veterinär-Ernährungswissenschaftlern begutachtet.
Cornell Feline Health Center – Feeding Your Cat
Halterinfo der Cornell-Tiermedizin (aktualisiert April 2026) zu Nährstoffbedarf, Futterarten (trocken, halbfeucht, nass, roh), Etikettlesen, Leckerlis und Gewichtskontrolle.
Hinweis: Die Informationen auf Pfotenwiese dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine tierärztliche Untersuchung oder individuelle Ernährungsberatung.