Impfungen bei Katzen – welche sind wichtig?

von Pfotenwiese-Redaktion · veröffentlicht am 4. Oktober 2026

Das Wichtigste in Kürze

Impfungen gehören zu den wichtigsten vorbeugenden Maßnahmen bei Katzen. Dabei gilt nicht „jede Katze jedes Jahr gegen alles”. Entscheidend sind Alter, bisheriger Impfstatus, Haltung, Kontakt zu anderen Katzen, Reisen und das individuelle Infektionsrisiko.

Für Deutschland ist die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) die zentrale fachliche Orientierung. In ihrer aktuellen Kleintier-Impfleitlinie vom 6. Januar 2025 werden Panleukopenie sowie Infektionen mit felinem Herpesvirus und felinem Calicivirus als Core-Komponenten für Katzen eingestuft. Andere Impfungen werden abhängig vom individuellen Risiko empfohlen.

Core- und Non-Core-Impfungen – was bedeutet das?

Die StIKo Vet unterscheidet Impfungen danach, welche Bedeutung sie für die jeweilige Tierart beziehungsweise das einzelne Tier haben.

Core-Komponenten richten sich gegen Erreger, gegen die grundsätzlich ein Impfschutz vorhanden sein sollte. Bei Katzen betrifft das nach der aktuellen deutschen Leitlinie:

  • Felines Herpesvirus (FHV) – ein wichtiger Erreger des Katzenschnupfen-Komplexes
  • Felines Calicivirus (FCV) – ebenfalls am Katzenschnupfen-Komplex beteiligt
  • Felines Panleukopenievirus (FPV) – Erreger der Katzenseuche

Daneben gibt es Non-Core-Impfungen. Ob sie sinnvoll sind, hängt stärker von den individuellen Lebensumständen und dem Infektionsrisiko der Katze ab.

Auch Wohnungskatzen brauchen einen passenden Impfschutz

Eine reine Wohnungshaltung bedeutet nicht automatisch, dass Impfungen überflüssig sind.

Das individuelle Infektionsrisiko kann zwar geringer sein als bei einem Freigänger. Trotzdem sollte auch bei Wohnungskatzen geprüft werden, welcher Impfschutz sinnvoll ist.

Hinzu kommt: Lebensumstände können sich ändern. Eine Katze kann beispielsweise vorübergehend in einer Tierpension untergebracht werden, Kontakt zu anderen Katzen bekommen oder später doch Freigang erhalten.

Deshalb sollte die Entscheidung nicht allein nach dem Etikett „Wohnungskatze” oder „Freigänger” getroffen werden.

Die Grundimmunisierung legt die Basis

Besonders wichtig ist ein zuverlässiger Aufbau des Impfschutzes bei jungen Katzen.

Nach der aktuellen StIKo-Vet-Leitlinie gehören bei Katzenwelpen Impfungen gegen FHV, FCV und Panleukopenie im Alter von 8 und 12 Lebenswochen zur Grundimmunisierung. Weitere Impfungen folgen abhängig von Lebensalter, Impfstoff und individuellem Schema. Die StIKo Vet betrachtet bei Katzen die Impfungen der ersten beiden Lebensjahre als Bestandteil der Grundimmunisierung.

Gerade deshalb sollte ein Impfplan nicht aus einer einzelnen Zahl oder einem Internetschema übernommen werden. Die Tierarztpraxis berücksichtigt den vorhandenen Impfpass, das Alter der Katze, bisherige Impfungen und die Fachinformation des verwendeten Impfstoffs.

Warum Impfintervalle unterschiedlich sein können

Nicht jede Impfung muss im gleichen Abstand wiederholt werden.

Der erforderliche beziehungsweise empfohlene Abstand hängt unter anderem von Erreger, Impfstoff, bisheriger Grundimmunisierung und individuellem Risiko ab.

Deshalb ist die pauschale Aussage „Katzen müssen jedes Jahr komplett geimpft werden” genauso wenig sinnvoll wie „eine einmal geimpfte Katze braucht nie wieder eine Impfung”.

Der Impfstatus sollte stattdessen bei regelmäßigen Gesundheitsuntersuchungen überprüft und der weitere Impfplan individuell festgelegt werden.

FeLV – besonders vom individuellen Risiko abhängig

Die Impfung gegen das Feline Leukämievirus (FeLV) gehört nach der aktuellen StIKo-Vet-Einstufung nicht zu den Core-Komponenten für jede Katze, besitzt aber abhängig von Alter und Expositionsrisiko eine hohe Bedeutung.

Besonders relevant ist die Frage, ob eine Katze Kontakt zu Katzen mit unbekanntem FeLV-Status haben kann – beispielsweise durch Freigang.

Vor einer Impfung beziehungsweise bei unklarem Infektionsstatus kann eine entsprechende Diagnostik erforderlich sein. Ob und wann getestet und geimpft wird, sollte mit der Tierarztpraxis abgestimmt werden.

Tollwut – nicht nur eine medizinische Frage

Deutschland gilt hinsichtlich der terrestrischen Tollwut als frei. Die StIKo Vet stuft die Tollwutimpfung deshalb bei Katzen nicht als Core-Impfung ein. Sie kann jedoch abhängig von den Lebensumständen weiterhin wichtig sein.

Besonders eindeutig ist die Situation bei Auslandsreisen: Für grenzüberschreitende Reisen mit Katzen gelten rechtliche Anforderungen an die Tollwutimpfung. Je nach Zielland können weitere Voraussetzungen hinzukommen.

Wer mit seiner Katze reisen möchte, sollte sich deshalb rechtzeitig über die für das konkrete Reiseland geltenden Einreisebestimmungen informieren.

Vor der Impfung steht der Gesundheitscheck

Eine Impfung sollte nicht einfach als isolierter „Pieks” betrachtet werden.

Vor einer Impfung wird die Katze tierärztlich beurteilt. Dabei können unter anderem Allgemeinzustand, aktuelle Erkrankungen, Medikamente, bisherige Impfungen und individuelle Risiken berücksichtigt werden.

Der Impftermin ist damit gleichzeitig eine gute Gelegenheit, Veränderungen bei Gewicht, Zähnen, Verhalten oder anderen Gesundheitsbereichen anzusprechen. Mehr dazu erklären wir in Vorsorgeuntersuchungen bei Katzen – was ist sinnvoll?.

Impfreaktionen – was ist normal?

Nach einer Impfung können vorübergehend leichte Reaktionen auftreten, beispielsweise Müdigkeit oder eine lokale Reaktion an der Injektionsstelle.

Stärkere oder anhaltende Beschwerden sollten dagegen mit der Tierarztpraxis besprochen werden. Bei schweren akuten Reaktionen wie deutlichen Atemproblemen, Kollaps oder anderen schnell zunehmenden Beschwerden ist unverzüglich tierärztliche Hilfe erforderlich.

Wichtig ist dabei die Einordnung: Die Möglichkeit von Nebenwirkungen ist kein Grund, Impfungen grundsätzlich abzulehnen. Nutzen und mögliche Risiken werden für die individuelle Katze gegeneinander abgewogen. Welche weiteren Anzeichen nach einem Tierarztbesuch beobachtet werden sollten, zeigen wir in Veränderungen bei Katzen frühzeitig erkennen.

Impfpass aufbewahren und regelmäßig prüfen

Der Impfpass beziehungsweise EU-Heimtierausweis dokumentiert, welche Impfungen durchgeführt wurden und wann weitere Impfungen vorgesehen sind.

Gerade nach einem Tierarztwechsel, bei einer übernommenen Katze oder vor Reisen ist eine vollständige Dokumentation hilfreich.

Ist die Impfgeschichte unbekannt oder unvollständig, sollte nicht selbst versucht werden, daraus einen Impfplan abzuleiten. Die Tierarztpraxis kann anhand der vorhandenen Informationen entscheiden, wie sinnvoll weiter vorgegangen wird. Wie Impfstatus und Vorsorge insgesamt zusammenhängen, beschreiben wir auch in Gesundheitsvorsorge bei Katzen – was wirklich wichtig ist.

Fazit

Ein sinnvoller Impfschutz für Katzen besteht weder aus „möglichst vielen Impfungen” noch aus dem vollständigen Verzicht auf Impfungen.

Die aktuellen Empfehlungen unterscheiden zwischen grundlegenden Impfkomponenten und Impfungen, deren Nutzen stärker vom individuellen Risiko abhängt.

Entscheidend sind deshalb Alter, Impfstatus, Haltung, Expositionsrisiko und Lebensumstände der einzelnen Katze. Der Impfstatus sollte regelmäßig gemeinsam mit der Tierarztpraxis überprüft werden.

Häufige Fragen

Welche Impfungen sollte eine Katze bekommen?

Die aktuelle StIKo-Vet-Leitlinie stuft bei Katzen Impfungen gegen das feline Herpesvirus, feline Calicivirus und Panleukopenie als Core-Komponenten ein. Weitere Impfungen werden abhängig vom individuellen Infektionsrisiko beurteilt.

Müssen Wohnungskatzen geimpft werden?

Auch bei Wohnungskatzen sollte der Impfstatus regelmäßig überprüft werden. Welche Impfungen sinnvoll sind, hängt vom individuellen Risiko ab. Wohnungshaltung allein bedeutet nicht, dass grundsätzlich kein Impfschutz erforderlich ist.

Muss eine Katze jedes Jahr geimpft werden?

Nicht jede Impfkomponente hat dasselbe Wiederholungsintervall. Impfstoff, Grundimmunisierung, Alter und individuelles Infektionsrisiko spielen dabei eine Rolle. Deshalb sollte der konkrete Impfplan mit der Tierarztpraxis abgestimmt werden.

Quellen & fachliche Grundlage

Die Aussagen stützen sich auf Leitlinien und Empfehlungen der Fachorganisationen StIKo Vet und AAHA.

StIKo Vet – Leitlinie zur Impfung von Kleintieren, 6. Auflage, Stand 06.01.2025
Impfleitlinie der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) mit Impfempfehlungen für Hunde und Katzen: Impfampel, allgemeines Impfschema und Einzelkapitel zu den Infektionen.

AAHA/AAFP – Feline Life Stage Guidelines
Tierärztliche Leitlinie zur Vorsorge in den Lebensphasen der Katze (Kitten, junge Erwachsene, mittleres Alter, Senioren) mit Schwerpunkten zu Impfung, Gewicht, Zähnen und Früherkennung.