Fleischanteil im Nassfutter – ist mehr automatisch besser?

von Pfotenwiese-Redaktion · veröffentlicht am 2. Oktober 2026

„70 % Fleisch” prangt groß auf vielen Nassfutterverpackungen – und wirkt wie ein klares Qualitätsversprechen. Ganz so einfach lässt sich Katzenfutter jedoch nicht beurteilen.

Ein hoher Fleischanteil klingt gut – reicht als Qualitätsurteil aber nicht

Katzen sind obligate Karnivoren und benötigen Nährstoffe, die typischerweise aus tierischen Quellen stammen. Deshalb ist es nachvollziehbar, bei Katzenfutter auf tierische Bestandteile zu achten.

Aus einer hohen Prozentzahl auf der Vorderseite lässt sich jedoch nicht automatisch ableiten, dass ein Futter bedarfsdeckend, besonders gut verdaulich oder für jede Katze geeignet ist.

Was bedeutet „Fleischanteil” überhaupt?

Hersteller können Zutaten unterschiedlich deklarieren. Je nach Kennzeichnung können konkrete Tierarten, einzelne Bestandteile oder gesetzlich zulässige Kategorien genannt werden. Prozentangaben können sich außerdem auf besonders hervorgehobene Zutaten beziehen und sind nicht automatisch gleichbedeutend mit dem gesamten Anteil tierischer Rohstoffe.

Deshalb sollten Produkte nur verglichen werden, wenn klar ist, was die jeweilige Prozentzahl tatsächlich beschreibt. Wie sich eine Deklaration systematisch lesen lässt, zeigt der Ratgeber Katzenfutter richtig lesen – die Deklaration verstehen

Muskelfleisch ist nicht die einzige wertvolle tierische Zutat

Organe und andere tierische Gewebe können ernährungsphysiologisch wichtige Nährstoffe liefern. Leber ist beispielsweise reich an bestimmten Vitaminen und Spurenelementen; Herz ist Muskelgewebe und liefert unter anderem Protein und Taurin.

Ein Futter wird deshalb nicht dadurch hochwertiger, dass es ausschließlich aus Muskelfleisch besteht. Entscheidend ist die bedarfsgerechte Kombination der Nährstoffe. Mehr dazu im Ratgeber Innereien im Katzenfutter – wertvoll oder minderwertig?

Mehr Fleisch ersetzt keine vollständige Rezeptur

Eine Dose kann sehr fleischreich wirken und trotzdem als Ergänzungsfuttermittel gedacht sein. Umgekehrt kann ein korrekt formuliertes Alleinfuttermittel mit weniger spektakulärer Zutatenliste den täglichen Bedarf vollständig decken.

Der erste Blick sollte deshalb immer auch auf die Kennzeichnung als Allein- oder Ergänzungsfuttermittel gehen.

Zutatenliste und Nährstoffqualität sind nicht dasselbe

WSAVA weist darauf hin, dass die Zutatenliste allein keine verlässliche Aussage über Qualität, Verdaulichkeit oder Bioverfügbarkeit der Nährstoffe erlaubt.

Auch Qualitätskontrolle, Rezepturentwicklung und Analyse des fertigen Futters spielen eine Rolle.

Fazit

Ein hoher Anteil tierischer Zutaten kann ein sinnvolles Auswahlkriterium sein. Eine einzelne Fleisch-Prozentzahl ist aber kein Qualitätssiegel. Wichtiger ist, was genau deklariert wird, ob das Futter vollständig ist und ob die gesamte Rezeptur zur Katze passt.

Quellen & fachliche Grundlage

Die Aussagen stützen sich auf Leitlinien und Empfehlungen der Fachorganisation WSAVA, Richtlinien und Faktenblätter des Heimtiernahrungsverbands FEDIAF sowie Rechtstexte.

FEDIAF – Nutritional Guidelines for Complete and Complementary Pet Food for Cats and Dogs (Version 2025)
Europäische Nährstoffempfehlungen für Allein- und Ergänzungsfutter für Hunde und Katzen; Version 2025 als PDF, von unabhängigen Veterinär-Ernährungswissenschaftlern begutachtet.

FEDIAF – Code of Good Labelling Practice / Labelling
Leitfaden der europäischen Heimtierfutterbranche zur Kennzeichnung von Tierfutter, abgestimmt mit EU-Behörden; erklärt z. B. Angaben zu Vitaminen, Zutatenbezeichnungen und gesundheitsbezogenen Aussagen.

EUR-Lex – Verordnung (EG) Nr. 767/2009 über Futtermittel
EU-Verordnung über das Inverkehrbringen und die Verwendung von Futtermitteln; regelt unter anderem die Kennzeichnung von Heimtierfutter.

WSAVA – Guidelines on Selecting Pet Foods
Zweiseitige Checkliste (2021): Woran man eine seriöse Futtermarke erkennt (Ernährungsfachleute, Qualitätskontrolle, Forschung) und welche Etikettangaben wirklich zählen, etwa Alleinfutter-Erklärung und Kaloriengehalt.

Hinweis: Die Informationen auf Pfotenwiese dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine tierärztliche Untersuchung oder individuelle Ernährungsberatung.