Futtermenge berechnen – Gramm sind nicht gleich Kalorien
„Meine Katze bekommt 200 Gramm Futter am Tag.”
Diese Angabe klingt zunächst ziemlich genau. Trotzdem wissen wir damit noch nicht, ob die Katze wenig, ausreichend oder vielleicht sogar zu viel Energie bekommt.
Denn 200 Gramm Katzenfutter sind nicht gleich 200 Gramm Katzenfutter.
Je nach Zusammensetzung und Wassergehalt können zwei Futtersorten bei gleicher Grammzahl sehr unterschiedliche Energiemengen liefern.
Wer die passende Futtermenge bestimmen möchte, sollte deshalb nicht nur in Gramm denken, sondern auch in Kalorien beziehungsweise Energie.
Warum Gramm allein wenig aussagen
Das Gewicht einer Portion sagt zunächst nur, wie schwer das Futter ist.
Es sagt nicht, wie viel Energie darin steckt.
Ein Nassfutter besteht zu einem großen Teil aus Wasser. Trockenfutter enthält wesentlich weniger Feuchtigkeit und ist dadurch normalerweise deutlich energiedichter.
Deshalb kann eine vergleichsweise kleine Menge Trockenfutter ähnlich viel oder sogar mehr Energie liefern als eine wesentlich größere Portion Nassfutter.
Der Energiegehalt des Futters ist entscheidend
Für eine genauere Berechnung benötigen wir zwei Informationen:
Wie viel Energie benötigt die Katze ungefähr pro Tag?
und
Wie viel Energie liefert das verwendete Futter?
Der Energiegehalt kann beispielsweise angegeben werden als:
kcal pro 100 g
oder
MJ pro kg.
Ist der Energiegehalt bekannt, lässt sich daraus die entsprechende Futtermenge berechnen.
Ein einfaches Rechenbeispiel
Angenommen, ein Katzenfutter liefert:
100 kcal pro 100 g
und für die Katze wurde als Orientierungswert eine tägliche Energiezufuhr von:
200 kcal
ermittelt.
Dann entspräche dies rechnerisch:
200 g Futter pro Tag.
Enthält ein anderes Futter dagegen:
400 kcal pro 100 g
würden für dieselben 200 kcal rechnerisch nur:
50 g Futter
benötigt.
Das Beispiel zeigt, warum eine Fütterungsempfehlung niemals einfach von einem Produkt auf ein anderes übertragen werden sollte.
Wo findet man den Energiegehalt?
Nicht auf jeder Verpackung ist der Energiegehalt gleich auffällig angegeben.
Manche Hersteller nennen ihn direkt auf der Packung, andere in ihren ausführlichen Produktinformationen oder auf ihrer Internetseite.
Fehlt die Angabe, sollte man nicht versuchen, aus einer einzelnen Zahl wie Rohfett oder Rohprotein auf die Kalorienmenge zu schließen.
Die gesamte Zusammensetzung beeinflusst die Energiedichte.
Was ist mit der Fütterungsempfehlung des Herstellers?
Die Fütterungsempfehlung ist ein sinnvoller Ausgangspunkt.
Sie ist jedoch keine exakte Dosieranweisung für jede einzelne Katze.
Hersteller können Gewichtsklassen und teilweise weitere Faktoren berücksichtigen. Trotzdem kennen sie weder die tatsächliche Aktivität noch den individuellen Stoffwechsel oder den Körperzustand der eigenen Katze.
Deshalb gilt:
Fütterungsempfehlung starten – Katze beobachten – Gewicht und Körperzustand kontrollieren – Menge bei Bedarf anpassen.
Idealgewicht oder aktuelles Gewicht?
Diese Frage wird besonders wichtig, wenn eine Katze deutlich über- oder untergewichtig ist.
Bei einer stark übergewichtigen Katze einfach die Futtermenge für das aktuelle hohe Körpergewicht zu übernehmen, kann das Ziel einer Gewichtsreduktion verfehlen.
Umgekehrt sollte die Futtermenge auch nicht drastisch reduziert werden, nur um möglichst schnell ein niedrigeres Gewicht zu erreichen.
Bei deutlichem Übergewicht, Untergewicht oder Erkrankungen sollte die passende Energiezufuhr deshalb tierärztlich beziehungsweise ernährungsmedizinisch abgestimmt werden.
Mischfütterung – hier wird es schnell unübersichtlich
Besonders interessant wird die Berechnung, wenn Nass- und Trockenfutter kombiniert werden.
Ein typischer Denkfehler wäre:
Die Katze bekommt die empfohlene Tagesration Nassfutter und zusätzlich die empfohlene Tagesration Trockenfutter.
Beide Empfehlungen gehen jedoch normalerweise davon aus, dass das jeweilige Futter einen wesentlichen beziehungsweise vollständigen Teil der täglichen Ernährung liefert.
Bei einer Mischfütterung müssen die Energiemengen deshalb gemeinsam betrachtet werden.
Beispiel für eine Mischfütterung
Angenommen, die geplante tägliche Energiezufuhr beträgt:
200 kcal.
Das Nassfutter liefert insgesamt:
140 kcal.
Dann verbleiben rechnerisch:
60 kcal
für das Trockenfutter und gegebenenfalls weitere energieliefernde Bestandteile.
Wie viele Gramm Trockenfutter diesen 60 kcal entsprechen, hängt wiederum von dessen Energiedichte ab.
Genau deshalb ist die Berechnung über Energie wesentlich sinnvoller als die Frage:
„Wie viele Gramm Nass- und Trockenfutter darf ich mischen?”
Auch Leckerlis zählen
Snacks verschwinden in vielen Futterberechnungen regelrecht.
Die Katze bekommt ihre normale Tagesration – und zusätzlich ein paar Leckerlis, eine Paste, Trainingssnacks oder Trockenfutter aus dem Fummelbrett.
Auch diese Produkte liefern Energie.
Je häufiger zusätzliche Snacks gegeben werden, desto wichtiger wird es, sie bei der gesamten Tagesration zu berücksichtigen.
Trockenfutter, das für Beschäftigung oder Training verwendet wird, kann beispielsweise direkt aus der abgewogenen Tagesration genommen werden.
Küchenwaage statt Augenmaß
Bei Nassfutter lassen sich Portionsgrößen durch Dose oder Beutel häufig noch relativ gut abschätzen.
Bei Trockenfutter wird es schwieriger.
Eine kleine Abweichung sieht im Napf kaum nach etwas aus, kann bei einem energiedichten Futter aber jeden Tag zusätzliche Kalorien bedeuten.
Eine einfache Küchenwaage ist deshalb eines der praktischsten Hilfsmittel bei der Futterkontrolle.
Das bedeutet nicht, dass jede Mahlzeit für den Rest des Katzenlebens grammgenau abgewogen werden muss.
Schon gelegentliches Nachwiegen hilft dabei, das eigene Augenmaß zu überprüfen.
Futtermenge regelmäßig überprüfen
Die einmal berechnete Futtermenge muss nicht für immer passen.
Der Energiebedarf kann sich verändern.
Beispielsweise durch:
Alter | Aktivität | Gewicht | Haltung | Jahreszeit | Erkrankungen | veränderte Lebensbedingungen
Auch ein Wechsel des Futters kann eine Neuberechnung erforderlich machen, weil das neue Produkt eine andere Energiedichte besitzt.
Die Katze entscheidet mit
Keine Berechnung kann die Beobachtung der Katze ersetzen.
Bleibt ihr Gewicht über längere Zeit stabil und befindet sie sich in einem passenden Körperzustand, spricht das dafür, dass Energieaufnahme und Bedarf ungefähr zusammenpassen.
Steigt oder sinkt das Gewicht dagegen kontinuierlich, sollte die Futtermenge überprüft werden.
Deshalb gehören drei Dinge zusammen:
berechnen – abwiegen – beobachten.
Die richtige Futtermenge steht nicht einfach auf der Dose
Eine Fütterungsempfehlung ist ein guter Anfang.
Die tatsächlich passende Portion entsteht jedoch erst aus dem Zusammenspiel von:
Energiebedarf der Katze + Energiedichte des Futters + sämtlichen Mahlzeiten und Snacks + Gewichtsentwicklung + Körperzustand.
Deshalb sind Gramm zwar praktisch für die Küchenwaage.
Für die Ernährungsplanung sind jedoch die Kalorien hinter diesen Gramm mindestens genauso wichtig.