Rohasche, Rohprotein & Rohfaser einfach erklärt
Rohprotein, Rohfett, Rohfaser und Rohasche – die analytischen Bestandteile auf einer Katzenfutterverpackung klingen ein wenig so, als kämen sie direkt aus einem Laborbericht.
Im Grunde stimmt das sogar.
Die Angaben beschreiben bestimmte analytisch ermittelte Bestandteile des Futters. Sie können beim Vergleich verschiedener Produkte hilfreich sein – allerdings nur, wenn man weiß, was die Werte tatsächlich aussagen und was nicht.
Denn Rohasche ist keine zugesetzte Asche und Rohprotein bedeutet nicht automatisch Fleisch.
Was sind analytische Bestandteile?
Neben der Zutatenliste findet man auf Katzenfutter Angaben wie:
Rohprotein | Rohfett | Rohfaser | Rohasche | Feuchtigkeit
Diese Werte beschreiben die Zusammensetzung des Futters aus analytischer Sicht.
Sie beantworten damit eine andere Frage als die Zutatenliste.
Die Zusammensetzung zeigt, welche Ausgangsstoffe verwendet wurden.
Die analytischen Bestandteile beschreiben bestimmte Stoffgruppen beziehungsweise Analysewerte des fertigen Futters.
Beides sollte deshalb nicht miteinander verwechselt werden.
Was bedeutet Rohprotein?
Rohprotein ist ein analytisch bestimmter beziehungsweise berechneter Wert für den Proteingehalt eines Futters.
Die Angabe sagt jedoch nicht automatisch:
- aus welchen Zutaten das Protein stammt,
- welche Aminosäuren enthalten sind,
- wie gut das Protein verwertbar ist,
- wie hoch der Fleischanteil ist.
Ein Futter mit 35 Prozent Rohprotein enthält deshalb nicht automatisch 35 Prozent Fleisch.
Umgekehrt lässt sich aus einem hohen Fleischanteil nicht direkt der Rohproteingehalt ableiten.
Was bedeutet Rohfett?
Rohfett beschreibt den analytisch erfassten Fettanteil des Futters.
Fett liefert Katzen unter anderem Energie und essenzielle Fettsäuren.
Der Rohfettwert verrät jedoch nicht, welche einzelnen Fettsäuren enthalten sind oder aus welchen Fettquellen sie stammen.
Auch hier gilt deshalb:
Die Prozentzahl ist eine wichtige Information – aber noch keine vollständige Qualitätsbewertung.
Was bedeutet Rohfaser?
Unter Rohfaser werden bestimmte schwer verdauliche pflanzliche Bestandteile analytisch zusammengefasst.
Der Wert wird häufig mit dem gesamten Ballaststoffgehalt gleichgesetzt. Das ist jedoch nicht ganz korrekt, weil die Rohfaseranalyse nicht sämtliche Ballaststoffbestandteile vollständig erfasst.
Ein niedriger Rohfaserwert bedeutet deshalb nicht automatisch, dass überhaupt keine faserartigen Bestandteile im Futter vorhanden sind.
Bei speziellen Futtermitteln können unterschiedliche Faserquellen gezielt eingesetzt werden. Allein anhand der Rohfaserzahl lässt sich deren Wirkung oder Qualität jedoch nicht beurteilen.
Was bedeutet Rohasche?
Rohasche gehört wahrscheinlich zu den missverständlichsten Angaben auf einer Futterverpackung.
Dem Katzenfutter wird dafür natürlich keine Asche zugesetzt.
Der Begriff stammt aus dem Analyseverfahren.
Bei der Bestimmung werden die organischen Bestandteile einer Probe unter kontrollierten Bedingungen entfernt beziehungsweise verbrannt. Zurück bleiben überwiegend anorganische Bestandteile – insbesondere Mineralstoffe.
Dieser Rückstand wird als Rohasche bezeichnet.
Bedeutet viel Rohasche schlechtes Futter?
Nicht automatisch.
Da zur Rohasche unter anderem Mineralstoffe gehören, ist ein gewisser Anteil völlig normal und notwendig.
Katzen benötigen beispielsweise Calcium, Phosphor, Magnesium, Kalium, Natrium und verschiedene Spurenelemente.
Ein höherer Rohaschewert allein beweist deshalb weder eine schlechte Qualität noch die Verwendung minderwertiger Zutaten.
Umgekehrt bedeutet ein besonders niedriger Wert nicht automatisch, dass ein Futter besser ist.
Entscheidend ist vielmehr, welche Mineralstoffe in welcher Menge und in welchem Verhältnis enthalten sind.
Warum ist die Feuchtigkeit so wichtig?
Der Feuchtigkeitsgehalt wird bei Futtervergleichen häufig unterschätzt.
Dabei hat er erheblichen Einfluss darauf, wie die übrigen Prozentwerte erscheinen.
Nassfutter besteht zu einem großen Teil aus Wasser. Trockenfutter enthält dagegen wesentlich weniger Feuchtigkeit.
Deshalb lassen sich beispielsweise 10 Prozent Rohprotein im Nassfutter und 35 Prozent Rohprotein im Trockenfutter nicht sinnvoll allein anhand dieser beiden Zahlen miteinander vergleichen.
Nassfutter und Trockenfutter richtig vergleichen
Ein einfaches Beispiel:
Ein Nassfutter enthält viel Wasser. Dadurch verteilen sich Protein, Fett und andere Bestandteile rechnerisch auf die gesamte wasserreiche Futtermenge.
Beim Trockenfutter ist wesentlich weniger Wasser vorhanden. Die Nährstoffe erscheinen deshalb in der ursprünglichen Deklaration prozentual konzentrierter.
Wer beide Futterarten genauer vergleichen möchte, kann die Werte auf die sogenannte Trockensubstanz umrechnen.
Dabei wird der Wasseranteil rechnerisch herausgenommen.
Erst dann werden viele Unterschiede sinnvoll vergleichbar.
Was bedeutet Trockensubstanz?
Die Trockensubstanz ist vereinfacht gesagt der Anteil des Futters, der nach Abzug des Wassers übrig bleibt.
Enthält ein Nassfutter beispielsweise 80 Prozent Feuchtigkeit, bestehen 20 Prozent des Futters aus Trockensubstanz.
Die analytischen Werte können anschließend auf diese 20 Prozent bezogen werden.
Dadurch lässt sich beispielsweise der Proteingehalt eines Nassfutters wesentlich sinnvoller mit dem eines Trockenfutters vergleichen.
Warum reicht auch die Trockensubstanz nicht für eine Qualitätsbewertung?
Die Umrechnung verbessert die Vergleichbarkeit – sie löst aber nicht alle Fragen.
Ein hoher Proteinwert auf Trockensubstanzbasis verrät weiterhin nicht automatisch, woher das Protein stammt oder wie die gesamte Rezeptur zusammengesetzt ist.
Dasselbe gilt für Fett, Rohasche und andere Analysewerte.
Deshalb sollte auch nach der Umrechnung immer die gesamte Deklaration betrachtet werden.
Kann man Kohlenhydrate aus den Analysewerten berechnen?
Auf Katzenfutter wird der Kohlenhydratanteil häufig nicht direkt angegeben.
Er lässt sich näherungsweise aus den vorhandenen Analysewerten ableiten.
Vereinfacht werden dafür von 100 Prozent die angegebenen Werte für:
Feuchtigkeit | Rohprotein | Rohfett | Rohasche | Rohfaser
abgezogen.
Der verbleibende Anteil wird häufig als stickstofffreie Extraktstoffe beziehungsweise näherungsweise als Kohlenhydratanteil betrachtet.
Diese Berechnung ist eine Schätzung und keine detaillierte Kohlenhydratanalyse.
Einzelne Zahlen erzählen nie die ganze Geschichte
Analytische Bestandteile sind für die Bewertung von Katzenfutter hilfreich.
Sie sollten aber nicht isoliert betrachtet werden.
Weder:
„viel Protein = gutes Futter”
noch:
„wenig Rohasche = gutes Futter”
ist als allgemeine Qualitätsregel sinnvoll.
Ein besseres Bild entsteht erst, wenn mehrere Informationen zusammen betrachtet werden:
Futterart | Zutaten | analytische Bestandteile | Feuchtigkeit | Energiegehalt | Nährstoffversorgung | Lebensphase der Katze
Die Zahlen auf der Verpackung sind also wichtig – man muss nur wissen, was sie tatsächlich erzählen können.