Brauchen Katzen Kohlenhydrate?

von Pfotenwiese-Redaktion · veröffentlicht am 1. Oktober 2026

Katzen sind Fleischfresser. Daraus entsteht schnell die Schlussfolgerung: Kohlenhydrate haben im Katzenfutter grundsätzlich nichts verloren. Ganz so einfach ist es jedoch nicht.

Richtig ist zunächst: Katzen haben keinen nachgewiesenen Mindestbedarf an Kohlenhydraten in ihrer Nahrung. Als obligate Karnivoren haben sie sich evolutionär an eine Beutetiernahrung angepasst, die viel Protein und Fett, aber vergleichsweise wenig Kohlenhydrate liefert. Verbrugghe & Hesta, 2017

Das bedeutet jedoch nicht, dass eine Katze Kohlenhydrate grundsätzlich nicht verdauen oder verwerten kann.

Verdauliche Kohlenhydrate wie Stärke werden während der Verdauung in kleinere Zuckerbausteine zerlegt. Daraus kann Glukose entstehen, die anschließend als Energiequelle genutzt wird. Untersuchungen zeigen, dass Katzen insbesondere entsprechend aufbereitete und erhitzte Stärke durchaus verdauen können. Verbrugghe & Hesta, 2017

Gleichzeitig benötigt der Organismus einer Katze Glukose für verschiedene Körperfunktionen. Dafür muss die Katze jedoch nicht zwingend Kohlenhydrate fressen: Ihr Stoffwechsel kann Glukose unter anderem über die Glukoneogenese aus Aminosäuren und anderen Ausgangsstoffen selbst herstellen. Verbrugghe & Hesta, 2017

Damit müssen drei Aussagen klar voneinander getrennt werden:

Katzen brauchen Glukose.
Katzen können bestimmte Kohlenhydrate verwerten.
Katzen müssen Kohlenhydrate aber nicht zwingend über ihre Nahrung aufnehmen.

Genau diese Unterscheidung geht in vielen Diskussionen über Katzenernährung verloren.

Hinzu kommt, dass „Kohlenhydrate” keine einheitliche Zutat sind. Zu dieser Stoffgruppe gehören Zucker, Stärke und verschiedene Ballaststoffe – und diese erfüllen im Organismus sehr unterschiedliche Funktionen. Ballaststoffe beispielsweise liefern kaum beziehungsweise unterschiedlich viel verwertbare Energie, können aber Verdauung, Kotbeschaffenheit und Sättigung beeinflussen. FEDIAF

Auch die häufige Gleichsetzung „Kohlenhydrate = Zucker” ist deshalb falsch. Kartoffeln, Reis oder Mais können viel Stärke liefern, ohne dass ihnen deshalb Haushaltszucker zugesetzt wurde.

Katzen sind obligate Karnivoren – aber was bedeutet das?

Ihr Stoffwechsel ist an eine Ernährung angepasst, die natürlicherweise reich an tierischem Protein und vergleichsweise arm an Kohlenhydraten ist. Daraus folgt jedoch nicht, dass jede Form von Kohlenhydrat für Katzen grundsätzlich unverträglich oder „giftig” wäre.

FEDIAF weist darauf hin, dass Katzen keinen absoluten Bedarf an Kohlenhydraten als eigenständigem Nährstoff haben. Glukose benötigen sie dennoch – sie können sie unter anderem aus Aminosäuren selbst bilden. Gleichzeitig können Katzen verarbeitete, gut aufgeschlossene Kohlenhydrate als Energiequelle nutzen.

Zucker, Stärke und Kohlenhydrate sind nicht dasselbe

Im Alltag werden diese Begriffe häufig vermischt. Kohlenhydrate sind eine große Stoffgruppe. Dazu gehören unter anderem Zucker und Stärke, aber auch verschiedene Faserstoffe.

Wenn ein Futter „ohne Zuckerzusatz” angeboten wird, bedeutet das deshalb nicht automatisch, dass es kohlenhydratfrei ist. Stärke aus Kartoffeln, Reis, Erbsen oder anderen pflanzlichen Zutaten kann weiterhin enthalten sein.

Warum enthält Katzenfutter überhaupt Kohlenhydrate?

In Trockenfutter spielt Stärke auch technologisch eine Rolle, weil sie bei der Herstellung der Kroketten Struktur geben kann. In Nassfutter können pflanzliche Bestandteile aus unterschiedlichen Gründen eingesetzt werden, etwa als Rohstoff, Faserquelle oder Bestandteil einer Rezeptur.

Ob ein Futter geeignet ist, lässt sich deshalb nicht allein daran erkennen, ob irgendeine kohlenhydrathaltige Zutat in der Zusammensetzung auftaucht.

Wie viel Kohlenhydrat steckt im Futter?

Auf europäischen Katzenfutteretiketten muss der Gehalt an verdaulichen Kohlenhydraten nicht standardmäßig als eigener Analysewert angegeben werden. FEDIAF beschreibt deshalb die rechnerische Schätzung über den sogenannten stickstofffreien Extrakt (NFE): Von 100 Prozent werden Protein, Fett, Rohfaser, Rohasche und Feuchtigkeit abgezogen.

Das Ergebnis ist nur eine Schätzung. Insbesondere die klassische Rohfaseranalyse bildet die tatsächliche Gesamtfaser nicht vollständig ab. Für Vergleiche kann der NFE trotzdem eine Orientierung liefern – vorausgesetzt, die notwendigen Analysewerte liegen vor.

Kohlenhydrate und Diabetes

Bei einer bereits diabetischen Katze bekommt der Kohlenhydratanteil eine andere Bedeutung. Die aktuellen AAHA-Leitlinien 2026 sehen eine proteinreiche, kohlenhydratreduzierte Ernährung für viele diabetische Katzen als günstig an und bevorzugen häufig Nassfutter. Die konkrete Ernährung bleibt aber Teil des gesamten Diabetesmanagements. AAHA Mehr dazu im Ratgeber Zucker und Diabetes bei Katzen

Daraus darf nicht rückwärts geschlossen werden, dass Kohlenhydrate allein Diabetes verursachen. Übergewicht, Insulinresistenz, Alter, Aktivität, Medikamente und weitere Faktoren spielen eine Rolle.

Was bedeutet das für gesunde Katzen?

Bei einer gesunden Katze sollte nicht ein einzelner Nährstoff isoliert zum Qualitätsurteil werden. Entscheidend ist, ob das Futter vollständig und bedarfsgerecht ist, zur Lebensphase passt, die Katze ein gesundes Körpergewicht hält und das Futter gut verträgt.

Ein niedriger Kohlenhydratanteil kann ein Auswahlkriterium sein. Er ersetzt aber nicht die Beurteilung der gesamten Ernährung. Auch das MSD Veterinary Manual beschreibt Kohlenhydrate in begrenzter Menge als nicht zwingend schädlich und weist darauf hin, dass „getreidefrei” nicht automatisch kohlenhydratarm bedeutet. MSD Veterinary Manual

Fazit

Katzen benötigen keine Kohlenhydrate als essenziellen Nährstoff, können geeignete Kohlenhydrate aber verwerten. „Kohlenhydratfrei” ist deshalb kein notwendiges Qualitätsmerkmal – und „ohne Zuckerzusatz” bedeutet nicht automatisch „ohne Kohlenhydrate”. Entscheidend bleibt die Gesamtrezeptur.

Quellen & fachliche Grundlage

Die Aussagen stützen sich auf Leitlinien und Empfehlungen der Fachorganisation AAHA, auf eine wissenschaftliche Übersichtsarbeit sowie auf Richtlinien und Faktenblätter des Heimtiernahrungsverbands FEDIAF und Fachinformationen des MSD Veterinary Manual.

Verbrugghe A., Hesta M. – Cats and Carbohydrates: The Carnivore Fantasy? (Veterinary Sciences, 2017, 4(4):55)
Wissenschaftliche Übersichtsarbeit (frei zugänglich): Katzen als obligate Fleischfresser mit kohlenhydratarmer Beute, Verdauung, Aufnahme und Stoffwechsel von Kohlenhydraten sowie ihre Rolle bei Übergewicht und Diabetes.

FEDIAF – Nutritional Guidelines for Complete and Complementary Pet Food for Cats and Dogs (Version 2025)
Europäische Nährstoffempfehlungen für Allein- und Ergänzungsfutter für Hunde und Katzen; Version 2025 als PDF, von unabhängigen Veterinär-Ernährungswissenschaftlern begutachtet.

FEDIAF – Expert Review / Labelling of Carbohydrates in Pet Food
Fachübersicht des wissenschaftlichen Beirats des europäischen Heimtierfutterverbands zu Kohlenhydraten in Hunde- und Katzenfutter: Arten, Verdaulichkeit bei Katzen, Kennzeichnung auf dem Etikett und Berechnung des Stärkeanteils.

AAHA – 2026 Diabetes Management Guidelines for Cats: Dietary Management
Fütterungsabschnitt der AAHA-Diabetesleitlinie 2026: proteinreiche, kohlenhydratarme Nassnahrung, Portionsfütterung bevorzugt, Gewichtsabbau bei Übergewicht.

MSD Veterinary Manual – Proper Nutrition for Cats
Ratgeber für Katzenhalter (Stand Juli 2025, Peer Review): Nährstoffbedarf von Katzen als Fleischfresser, Kohlenhydrate in begrenzter Menge, „grain-free” nicht automatisch kohlenhydratarm, rohes Fleisch nicht sicher, Nassfutter, Ausgewogenheitsangabe, Mahlzeitenhäufigkeit.

Hinweis: Die Informationen auf Pfotenwiese dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine tierärztliche Untersuchung oder individuelle Ernährungsberatung.