Zucker im Katzenfutter erkennen – Namen & Deklaration verstehen
Auf der Verpackung steht kein „Zucker”. Bedeutet das automatisch, dass auch keiner enthalten ist?
Nicht unbedingt. Wer Katzenfutter genauer beurteilen möchte, muss zunächst verstehen, wie Zutaten auf Tierfutter überhaupt deklariert werden. Denn auf einer Verpackung können einzelne Zutaten genannt werden – Hersteller dürfen bei Heimtierfutter aber auch bestimmte gesetzlich vorgesehene Kategorien verwenden. Eine davon ist beispielsweise „verschiedene Zucker”. Diese Kategorie kann unter anderem Saccharose, Fruktose oder Glukose umfassen. FEDIAF
Hinzu kommt eine ganze Reihe konkreter Bezeichnungen. Saccharose, Glukose, Dextrose, Fruktose, Maltose oder verschiedene Zuckersirupe sind für Verbraucher nicht immer auf den ersten Blick als Zucker erkennbar. Auch Zutaten wie Honig oder Melasse enthalten erhebliche Mengen verschiedener Zucker.
Damit wird der Blick auf die Deklaration wichtiger als die Suche nach einem einzigen Wort.
Gleichzeitig sollte man nicht in die entgegengesetzte Richtung übertreiben. Nicht alles, was im Körper letztlich Glukose liefern kann, ist deshalb Zucker. Stärke beispielsweise gehört ebenfalls zu den Kohlenhydraten und wird bei der Verdauung in Glukosebausteine zerlegt – chemisch ist Stärke aber kein Zucker. Kartoffeln, Reis oder Mais pauschal als „versteckten Zucker” zu bezeichnen, wäre deshalb irreführend.
Warum die Suche nach „Zucker” nicht immer genügt
Wer Zucker im Katzenfutter vermeiden möchte, schaut meist zuerst in die Zutatenliste. Das ist sinnvoll – allerdings kann Zucker unter verschiedenen Rohstoffbezeichnungen auftreten und der Begriff „Kohlenhydrate” ist deutlich weiter gefasst.
Umgekehrt sollte nicht jede pflanzliche Zutat automatisch als zugesetzter Zucker bezeichnet werden. Kartoffeln oder Reis liefern beispielsweise überwiegend Stärke und sind nicht dasselbe wie zugesetzte Mono- oder Disaccharide.
Die Zusammensetzung lesen
Nach EU-Recht werden die verwendeten Einzelfuttermittel in der Zusammensetzung grundsätzlich in absteigender Reihenfolge ihres Gewichts angegeben. Hersteller können einzelne Rohstoffe oder zulässige Kategorien verwenden; werden Zutaten besonders hervorgehoben, greifen zusätzliche Mengenangaben.
Wer zugesetzte zuckerhaltige Zutaten vermeiden möchte, sollte daher die Zusammensetzung vollständig lesen und nicht nur die Vorderseite der Verpackung. Mehr zur vollständigen Deklaration im Ratgeber Katzenfutter richtig lesen – die Deklaration verstehen
Welche Begriffe können auf Zuckerquellen hinweisen?
Je nach Rezeptur können beispielsweise Zucker, Saccharose, Glukose beziehungsweise Dextrose, Fruktose, Sirupe oder Melasse als zuckerhaltige Zutaten auftreten. Entscheidend ist immer der tatsächliche Kontext der Deklaration.
Nicht jeder Begriff mit einer chemisch klingenden Endung ist automatisch „versteckter Zucker”. Gerade bei Zusatzstoffen und Nährstoffverbindungen wäre eine solche Faustregel falsch.
Warum steht der Zuckergehalt häufig nicht bei den analytischen Bestandteilen?
Für Katzen- und Hundefutter gehören in der EU Rohprotein, Rohfaser, Rohöle und -fette sowie Rohasche zu den typischen verpflichtenden analytischen Angaben. Ein eigener Wert „Zucker” oder „Kohlenhydrate” gehört nicht standardmäßig zu dieser Pflichtangabe.
Deshalb lässt sich aus dem Analyseblock allein häufig nicht ablesen, ob Zucker zugesetzt wurde.
„Ohne Zuckerzusatz” und „zuckerfrei” nicht verwechseln
Im allgemeinen Sprachgebrauch wird beides gerne gleichgesetzt. Redaktionell sollten wir sauberer bleiben: Ein Futter kann ohne zugesetzten Zucker hergestellt sein und dennoch natürlicherweise vorkommende Zucker beziehungsweise andere Kohlenhydrate enthalten.
Für die praktische Futterwahl ist deshalb die Zusammensetzung hilfreicher als ein einzelnes Werbewort auf der Vorderseite.
Zucker ist nicht der einzige Qualitätsmaßstab
Ein Futter ohne zugesetzten Zucker kann trotzdem ernährungsphysiologisch schlecht zu einer Katze passen. Umgekehrt lässt sich die Gesamtqualität eines Futters nicht allein aus einem einzelnen Bestandteil ableiten.
Wichtiger sind unter anderem die Eignung als Alleinfuttermittel, die Nährstoffversorgung, Energiedichte, Lebensphase, Verträglichkeit und die Qualitätskontrolle des Herstellers. Eine praktische Checkliste dazu gibt es im Ratgeber Woran erkennt man hochwertiges zuckerfreies Katzenfutter?
Fazit
Zucker erkennt man am zuverlässigsten durch einen Blick auf die vollständige Zusammensetzung. Gleichzeitig sollte man Zucker nicht mit sämtlichen Kohlenhydraten gleichsetzen. „Ohne Zuckerzusatz” kann ein sinnvolles Auswahlkriterium sein – ein vollständiges Qualitätsurteil ist es nicht.
Quellen & fachliche Grundlage
Die Aussagen stützen sich auf Leitlinien und Empfehlungen der Fachorganisation WSAVA, Richtlinien und Faktenblätter des Heimtiernahrungsverbands FEDIAF sowie Rechtstexte.
EUR-Lex – Verordnung (EG) Nr. 767/2009 über das Inverkehrbringen und die Verwendung von Futtermitteln
EU-Verordnung über das Inverkehrbringen und die Verwendung von Futtermitteln; regelt unter anderem die Kennzeichnung von Heimtierfutter.
FEDIAF – Labelling / Code of Good Labelling Practice
Leitfaden der europäischen Heimtierfutterbranche zur Kennzeichnung von Tierfutter, abgestimmt mit EU-Behörden; erklärt z. B. Angaben zu Vitaminen, Zutatenbezeichnungen und gesundheitsbezogenen Aussagen.
FEDIAF – Expert Review / Labelling of Carbohydrates in Pet Food
Fachübersicht des wissenschaftlichen Beirats des europäischen Heimtierfutterverbands zu Kohlenhydraten in Hunde- und Katzenfutter: Arten, Verdaulichkeit bei Katzen, Kennzeichnung auf dem Etikett und Berechnung des Stärkeanteils.
WSAVA – Global Nutrition Guidelines & Nutrition Toolkit
Leitlinie des Weltverbands der Kleintierärzte zur Ernährungsbeurteilung bei Hund und Katze, mit Werkzeugen wie Body- und Muscle-Condition-Score, Kalorienbedarf und Halterinfos zur Futterwahl.
Hinweis: Die Informationen auf Pfotenwiese dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine tierärztliche Untersuchung oder individuelle Ernährungsberatung.