Getreidefreies Katzenfutter – sinnvoll oder nur Marketing?
„Getreidefrei” prangt heute auf zahlreichen Katzenfutter-Verpackungen und vermittelt schnell den Eindruck: Ohne Getreide muss das Futter natürlicher, artgerechter und damit gesünder für die Katze sein.
Doch diese Schlussfolgerung ist zu einfach.
Katzen sind obligate Karnivoren und benötigen kein Getreide als unverzichtbaren Bestandteil ihrer Ernährung. Daraus folgt allerdings nicht, dass Weizen, Reis, Mais oder andere Getreidearten grundsätzlich schädlich für Katzen wären. Richtig verarbeitet können Katzen die darin enthaltene Stärke grundsätzlich verdauen. Auch die WSAVA weist darauf hin, dass entsprechend verarbeitetes Getreide von Katzen verdaut werden kann und nicht pauschal als wertloser „Füllstoff” betrachtet werden sollte. WSAVA
Getreidefrei klingt eindeutig – sagt aber nur wenig über die Gesamtrezeptur
Ein getreidefreies Katzenfutter enthält definitionsgemäß kein Getreide. Daraus folgt jedoch weder automatisch ein niedriger Kohlenhydratanteil noch eine höhere ernährungsphysiologische Qualität.
Getreide kann beispielsweise durch Kartoffeln, Erbsen, Hülsenfrüchte oder andere stärkehaltige Rohstoffe ersetzt werden. Wer eigentlich weniger Kohlenhydrate sucht, sollte deshalb nicht nur nach dem Wort „getreidefrei” auswählen. Auch das MSD Veterinary Manual weist darauf hin, dass „getreidefrei” nicht automatisch wenig Kohlenhydrate bedeutet. MSD Veterinary Manual
Brauchen Katzen Getreide?
Katzen haben keinen ernährungsphysiologischen Bedarf an Getreide als solchem. Sie benötigen bestimmte Nährstoffe – nicht eine bestimmte Getreideart.
Das bedeutet aber nicht, dass korrekt verarbeitete Getreidebestandteile grundsätzlich schädlich wären. Entscheidend sind Menge, Verarbeitung, Gesamtrezeptur und die individuelle Verträglichkeit. Mehr zur Rolle von Kohlenhydraten im Ratgeber Brauchen Katzen Kohlenhydrate?
Getreidefrei ist nicht gleich zuckerfrei
Auch diese beiden Aussagen beschreiben unterschiedliche Dinge. Ein getreidefreies Futter kann zugesetzte Zuckerquellen enthalten. Ein Futter mit Getreide kann wiederum ohne zugesetzten Zucker hergestellt sein.
Für Pfotenwiese sollten wir beide Kriterien deshalb niemals synonym verwenden.
Was ist mit Allergien?
Bei einer echten Futtermittelallergie ist entscheidend, auf welchen Bestandteil die Katze reagiert. Pauschal sämtliches Getreide zu streichen, ersetzt keine diagnostische Ausschlussdiät.
Bei Verdacht auf eine Futtermittelallergie sollte die Ernährung systematisch und möglichst tierärztlich begleitet untersucht werden. Das Thema behandeln wir ausführlich im Bereich Ausschlussdiät.
Marketingbegriffe nicht mit Nährstoffqualität verwechseln
WSAVA warnt generell davor, die Qualität eines Futters allein aus der Zutatenliste oder werblichen Begriffen abzuleiten. Entscheidend ist unter anderem, ob das Futter bedarfsdeckend formuliert wurde und welche ernährungswissenschaftliche Kompetenz und Qualitätskontrolle hinter dem Produkt stehen.
„Grain free” kann eine Produkteigenschaft sein. Es ist aber kein wissenschaftliches Gütesiegel.
Wann kann getreidefrei trotzdem sinnvoll sein?
Wenn eine Katze ein bestimmtes Futter gut verträgt, die Rezeptur bedarfsdeckend ist und getreidefrei zur gewünschten Fütterungsweise passt, spricht nichts dagegen, dieses Merkmal als Auswahlkriterium zu verwenden.
Nur sollte die Entscheidung nicht auf der Annahme beruhen, dass jedes getreidefreie Futter automatisch artgerechter, kohlenhydratärmer oder hochwertiger sei.
Fazit
Getreidefrei kann sinnvoll sein, muss es aber nicht. Katzen brauchen kein Getreide – gleichzeitig ist Getreide nicht automatisch ein Problem. Wer Futter beurteilt, sollte die gesamte Rezeptur betrachten statt sich von einem einzelnen Marketingbegriff leiten zu lassen.
Quellen & fachliche Grundlage
Die Aussagen stützen sich auf Leitlinien und Empfehlungen der Fachorganisation WSAVA sowie Richtlinien und Faktenblätter des Heimtiernahrungsverbands FEDIAF und Fachinformationen des MSD Veterinary Manual.
FEDIAF – Nutritional Guidelines for Complete and Complementary Pet Food for Cats and Dogs (Version 2025)
Europäische Nährstoffempfehlungen für Allein- und Ergänzungsfutter für Hunde und Katzen; Version 2025 als PDF, von unabhängigen Veterinär-Ernährungswissenschaftlern begutachtet.
FEDIAF – Expert Review / Labelling of Carbohydrates in Pet Food
Fachübersicht des wissenschaftlichen Beirats des europäischen Heimtierfutterverbands zu Kohlenhydraten in Hunde- und Katzenfutter: Arten, Verdaulichkeit bei Katzen, Kennzeichnung auf dem Etikett und Berechnung des Stärkeanteils.
WSAVA – Global Nutrition Guidelines & Nutrition Toolkit
Leitlinie des Weltverbands der Kleintierärzte zur Ernährungsbeurteilung bei Hund und Katze, mit Werkzeugen wie Body- und Muscle-Condition-Score, Kalorienbedarf und Halterinfos zur Futterwahl.
WSAVA – Guidelines on Selecting Pet Foods
Zweiseitige Checkliste (2021): Woran man eine seriöse Futtermarke erkennt (Ernährungsfachleute, Qualitätskontrolle, Forschung) und welche Etikettangaben wirklich zählen, etwa Alleinfutter-Erklärung und Kaloriengehalt.
MSD Veterinary Manual – Proper Nutrition for Cats
Ratgeber für Katzenhalter (Stand Juli 2025, Peer Review): Nährstoffbedarf von Katzen als Fleischfresser, Kohlenhydrate in begrenzter Menge, „grain-free” nicht automatisch kohlenhydratarm, rohes Fleisch nicht sicher, Nassfutter, Ausgewogenheitsangabe, Mahlzeitenhäufigkeit.
Hinweis: Die Informationen auf Pfotenwiese dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine tierärztliche Untersuchung oder individuelle Ernährungsberatung.