Fleischanteil – sagt mehr automatisch besser?
„70 % Fleisch”, „90 % tierische Zutaten” oder sogar „95 % Fleischanteil” – hohe Prozentzahlen wirken bei Katzenfutter überzeugend. Schließlich sind Katzen obligate Karnivoren. Da liegt der Gedanke nahe: Je mehr Fleisch, desto besser das Futter.
Ganz so einfach ist es jedoch nicht.
Der Fleischanteil kann eine interessante Information sein. Für sich allein sagt er aber noch nicht, ob ein Katzenfutter bedarfsgerecht zusammengesetzt ist.
Warum ein hoher Fleischanteil zunächst sinnvoll klingt
Katzen sind auf zahlreiche Nährstoffe angewiesen, die natürlicherweise vor allem in tierischen Geweben vorkommen.
Dazu gehören hochwertiges Protein und bestimmte Aminosäuren ebenso wie verschiedene Fettsäuren, Vitamine und Mineralstoffe.
Dass tierische Bestandteile bei der Katzenernährung eine wichtige Rolle spielen, ist deshalb unstrittig.
Die entscheidende Frage lautet jedoch nicht nur:
Wie viel Fleisch ist enthalten?
Sondern auch:
Welche tierischen Bestandteile sind enthalten – und wie ist die gesamte Nahrung zusammengesetzt?
Fleisch ist nicht gleich Muskelfleisch
Wenn wir Menschen von Fleisch sprechen, denken wir häufig zuerst an Muskelfleisch.
Für eine Katze sind jedoch auch andere tierische Bestandteile ernährungsphysiologisch interessant.
Innereien wie Herz oder Leber liefern andere Nährstoffe als reines Muskelfleisch. Auch andere tierische Gewebe können Bestandteile einer bedarfsgerechten Katzennahrung sein.
Deshalb wäre ein Futter aus möglichst viel reinem Muskelfleisch nicht automatisch vollständiger oder hochwertiger.
Was bedeutet „tierische Bestandteile”?
Auf Verpackungen begegnen uns unterschiedliche Begriffe:
Fleisch | Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse | tierische Bestandteile | Innereien
Diese Angaben sind nicht einfach miteinander gleichzusetzen.
Hinzu kommt, dass Hersteller ihre Zusammensetzung unterschiedlich detailliert deklarieren. Bei einem Produkt werden Tierarten und einzelne Bestandteile genau genannt, bei einem anderen bleiben die Angaben wesentlich allgemeiner.
Deshalb sollte beim Vergleich nicht nur die große Prozentzahl auf der Vorderseite betrachtet werden.
70 Prozent Fleisch sind nicht automatisch besser als 60 Prozent
Zwei Futtersorten lassen sich nicht sinnvoll allein anhand ihres beworbenen Fleischanteils sortieren.
Ein Futter mit 70 Prozent kann insgesamt bedarfsgerecht zusammengesetzt sein – oder auch nicht.
Dasselbe gilt für ein Produkt mit 60 oder 80 Prozent.
Für die Ernährung der Katze zählt letztlich, welche Nährstoffe das fertige Futter liefert und ob diese in geeigneter Menge und Zusammensetzung vorhanden sind.
Der höchste Prozentwert gewinnt deshalb nicht automatisch.
Hoher Fleischanteil bedeutet nicht automatisch viel Protein
Fleischanteil und Rohproteingehalt sind zwei verschiedene Angaben.
Tierische Zutaten enthalten neben Protein unter anderem Wasser und Fett. Deshalb kann aus einem beworbenen Fleischanteil nicht direkt auf den Proteingehalt geschlossen werden.
Umgekehrt verrät ein hoher Rohproteinwert nicht automatisch, wie hoch der Fleischanteil des Futters ist.
Frischfleisch und getrocknete Zutaten
Auch die Form der verwendeten Zutaten kann Prozentangaben beeinflussen.
Frisches Fleisch enthält viel Wasser. Getrocknete tierische Zutaten enthalten wesentlich weniger Feuchtigkeit und sind dadurch stärker konzentriert.
Deshalb können Prozentangaben verschiedener Rezepturen irreführend wirken, wenn Zutaten in unterschiedlicher Form eingesetzt und anschließend nur die Zahlen miteinander verglichen werden.
Ein hoher Anteil einer wasserreichen Zutat bedeutet nicht automatisch einen entsprechend hohen Anteil an Nährstoffen im fertigen Futter.
Und was ist mit tierischen Nebenerzeugnissen?
Der Begriff „tierische Nebenerzeugnisse” wird von vielen Katzenhaltern automatisch mit minderwertigen Zutaten verbunden.
So pauschal ist diese Bewertung nicht sinnvoll.
Auch ernährungsphysiologisch wertvolle Bestandteile wie bestimmte Innereien können darunter fallen.
Für den Verbraucher besteht das eigentliche Problem häufig eher darin, dass eine sehr allgemeine Deklaration wenig darüber verrät, welche Bestandteile tatsächlich verwendet wurden.
Transparenz und ernährungsphysiologische Qualität sind deshalb zwei unterschiedliche Fragen.
Ist eine offene Deklaration besser?
Eine detaillierte Deklaration macht es dem Käufer leichter nachzuvollziehen, welche Zutaten im Produkt enthalten sind.
Das ist ein klarer Vorteil bei der Beurteilung und beim Vergleich verschiedener Futtersorten.
Aber auch eine besonders ausführliche Zutatenliste ist noch kein automatischer Beweis dafür, dass die gesamte Rezeptur ernährungsphysiologisch optimal ist.
Transparenz hilft uns bei der Bewertung – sie ersetzt die Bewertung nicht.
Fleisch allein reicht nicht
Eine Katze benötigt neben Protein und Fett unter anderem bestimmte Aminosäuren, Fettsäuren, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente.
Deshalb kann eine Schale mit reinem Muskelfleisch zwar nach einer besonders natürlichen Mahlzeit aussehen, stellt aber nicht automatisch eine vollständige Ernährung dar.
Genau hier liegt der Unterschied zwischen einer einzelnen hochwertigen Zutat und einer vollständigen, bedarfsgerecht zusammengesetzten Nahrung.
Was sollte man statt nur des Fleischanteils betrachten?
Wer Katzenfutter beurteilen möchte, sollte mehrere Informationen gemeinsam betrachten:
Alleinfuttermittel oder Ergänzungsfuttermittel | Zusammensetzung | tierische Bestandteile | Transparenz der Deklaration | analytische Bestandteile | Energiegehalt | Lebensphase
Der Fleischanteil kann dabei ein Baustein sein.
Er sollte aber nicht zum alleinigen Qualitätsmaßstab werden.
Mehr Fleisch ist nicht automatisch besser
Die Katze ist ein Fleischfresser – daraus folgt jedoch nicht, dass sich die Qualität eines fertigen Katzenfutters mit einer einzigen Fleisch-Prozentzahl messen lässt.
Ein hoher Anteil tierischer Zutaten kann Bestandteil einer guten Rezeptur sein.
Entscheidend bleibt aber:
Was steckt tatsächlich im Futter – und versorgt die gesamte Rezeptur die Katze mit allem, was sie benötigt?
Genau deshalb lohnt sich der zweite Blick auf die Verpackung meistens mehr als die größte Zahl auf der Vorderseite.