Woran erkennt man hochwertiges zuckerfreies Katzenfutter?

von Pfotenwiese-Redaktion · veröffentlicht am 1. Oktober 2026

„Ohne Zuckerzusatz” steht auf der Verpackung – also ab in den Einkaufswagen?

Ganz so einfach sollten Katzenhalter es sich nicht machen. Denn der Verzicht auf zugesetzten Zucker ist zwar ein sinnvolles Auswahlkriterium, sagt für sich allein aber noch wenig darüber aus, wie hochwertig und bedarfsgerecht ein Katzenfutter tatsächlich ist.

Ein Hersteller kann auf Zucker verzichten und trotzdem eine Rezeptur anbieten, die für die eigene Katze nicht optimal passt. Umgekehrt lässt sich die Qualität eines Futters nicht anhand eines einzigen Bestandteils beurteilen.

Wer gutes zuckerfreies Katzenfutter sucht, sollte deshalb mehrere Punkte gemeinsam betrachten.

Zuckerfrei ist der Anfang der Frage – nicht das Ende

Ein Katzenfutter kann ohne zugesetzten Zucker hergestellt sein und trotzdem nicht die beste Wahl für eine bestimmte Katze sein. Umgekehrt sagt ein einzelner unerwünschter Bestandteil wenig über alle anderen Eigenschaften des Produkts aus.

Für Pfotenwiese bedeutet „hochwertig” deshalb nicht: möglichst viele werbewirksame Schlagwörter. Wir schauen auf die ernährungsphysiologische Eignung des gesamten Futters.

1. Ist es ein Alleinfuttermittel?

Für die dauerhafte Hauptfütterung ist zunächst entscheidend, ob das Produkt als Alleinfuttermittel für Katzen und die passende Lebensphase vorgesehen ist.

Ergänzungsfuttermittel können sehr gute Produkte sein, sind aber nicht automatisch für die alleinige tägliche Versorgung gedacht.

2. Ist die Deklaration verständlich?

Eine nachvollziehbare Zusammensetzung erleichtert die Beurteilung. Trotzdem sollte man eine lange, detaillierte Zutatenliste nicht automatisch mit höherer Qualität gleichsetzen.

WSAVA weist ausdrücklich darauf hin, dass die Zutatenliste allein weder Qualität noch Verdaulichkeit oder Bioverfügbarkeit der verwendeten Rohstoffe beschreibt. Wie sich eine Deklaration im Detail lesen lässt, zeigt der Ratgeber Katzenfutter richtig lesen – die Deklaration verstehen

3. Passen Energie und Nährstoffprofil zur Katze?

Ein gesundes Kitten, eine erwachsene Wohnungskatze, eine sehr aktive Katze und eine Katze mit Erkrankung können unterschiedliche Anforderungen haben.

Ein Futter ist deshalb nicht abstrakt „das beste”, sondern muss zum Tier, zur Lebensphase und gegebenenfalls zur medizinischen Situation passen.

4. Was weiß man über den Hersteller?

WSAVA empfiehlt Fragen, die auf der Verpackung oft nicht beantwortet werden: Wer formuliert die Produkte? Welche Qualifikation besitzt die ernährungswissenschaftlich verantwortliche Person? Wie werden Rohstoffe und Endprodukte kontrolliert? Werden Nährstoffanalysen und Qualitätsprüfungen durchgeführt?

Ein seriöser Hersteller sollte für konkrete Fragen erreichbar sein.

5. Zuckerfrei nicht mit kohlenhydratfrei verwechseln

Wer zusätzlich auf einen niedrigen Kohlenhydratanteil achten möchte, muss über die Zuckerfrage hinausgehen. Stärke kann auch in einem Futter ohne Zuckerzusatz enthalten sein. Mehr dazu im Ratgeber Brauchen Katzen Kohlenhydrate?

Für eine grobe Einschätzung kann – sofern alle nötigen Analysewerte vorliegen – der NFE rechnerisch geschätzt werden.

6. Akzeptanz und Verträglichkeit zählen

Ein theoretisch hervorragend zusammengesetztes Futter hilft wenig, wenn die Katze es dauerhaft verweigert oder nicht verträgt.

Bei Katzen sollte eine Futterumstellung deshalb nicht durch erzwungenes Fasten durchgesetzt werden. Gerade bei kranken oder übergewichtigen Katzen kann längere Futterverweigerung problematisch werden.

Unsere Pfotenwiese-Checkliste

Für einen späteren Vergleich sollten mindestens Futtermittelart, Lebensphase, Zusammensetzung, analytische Bestandteile, Feuchtigkeit, Energiegehalt – sofern verfügbar —, Zuckerzusatz, Getreide, besondere Ernährungszwecke, Herstellerinformationen, Gebinde und Kosten erfasst werden.

Bewertet wird nicht danach, welches Etikett am schönsten klingt, sondern welche überprüfbaren Informationen vorliegen. Genau nach diesen Kriterien gehen wir auch im Ratgeber Katzenfutter ohne Zucker im Vergleich vor.

Fazit

Hochwertiges zuckerfreies Katzenfutter erkennt man nicht an einem einzigen Wort. „Ohne Zuckerzusatz” kann ein Pluspunkt sein. Entscheidend bleiben Vollständigkeit, Nährstoffprofil, Herstellerkompetenz, Qualitätskontrolle, Verträglichkeit und die Bedürfnisse der konkreten Katze.

Quellen & fachliche Grundlage

Die Aussagen stützen sich auf Leitlinien und Empfehlungen der Fachorganisation WSAVA, Richtlinien und Faktenblätter des Heimtiernahrungsverbands FEDIAF sowie Rechtstexte.

EUR-Lex – Verordnung (EG) Nr. 767/2009 über das Inverkehrbringen und die Verwendung von Futtermitteln
EU-Verordnung über das Inverkehrbringen und die Verwendung von Futtermitteln; regelt unter anderem die Kennzeichnung von Heimtierfutter.

WSAVA – Guidelines on Selecting Pet Foods
Zweiseitige Checkliste (2021): Woran man eine seriöse Futtermarke erkennt (Ernährungsfachleute, Qualitätskontrolle, Forschung) und welche Etikettangaben wirklich zählen, etwa Alleinfutter-Erklärung und Kaloriengehalt.

WSAVA – Global Nutrition Guidelines & Nutrition Toolkit
Leitlinie des Weltverbands der Kleintierärzte zur Ernährungsbeurteilung bei Hund und Katze, mit Werkzeugen wie Body- und Muscle-Condition-Score, Kalorienbedarf und Halterinfos zur Futterwahl.

FEDIAF – Nutritional Guidelines for Complete and Complementary Pet Food for Cats and Dogs (Version 2025)
Europäische Nährstoffempfehlungen für Allein- und Ergänzungsfutter für Hunde und Katzen; Version 2025 als PDF, von unabhängigen Veterinär-Ernährungswissenschaftlern begutachtet.

FEDIAF – Expert Review / Labelling of Carbohydrates in Pet Food
Fachübersicht des wissenschaftlichen Beirats des europäischen Heimtierfutterverbands zu Kohlenhydraten in Hunde- und Katzenfutter: Arten, Verdaulichkeit bei Katzen, Kennzeichnung auf dem Etikett und Berechnung des Stärkeanteils.

Hinweis: Die Informationen auf Pfotenwiese dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine tierärztliche Untersuchung oder individuelle Ernährungsberatung.